Im letzten Schuljahr hatte ich die Möglichkeit, beim Projekt „Klassenzimmer auf der Alm“ mitzumachen. Die Idee dahinter: 30 Schüler und fünf Pädagogen aus ganz Deutschland leben und lernen drei Monate zusammen auf einer Alm in Oberösterreich. Dabei müssen die allgemeinen Arbeiten auf einer Alm wie Tiere versorgen, Kochen und Gäste bewirten erledigt werden. Zusätzlich findet aber auch Unterricht statt, der sich von dem in der Schule stark unterscheidet.

Anfang Mai ging es dann für mich los und zuerst war die Umstellung durchaus hart. Die Alm ist zwar verhältnismäßig groß, aber für die 35 Menschen ist dennoch nicht viel Platz: Alle persönlichen Gegenstände müssen in eine Kiste passen, vor den drei Duschen befindet sich eigentlich eine ständige Warteschlange (außer es gibt kein Warmwasser), geschlafen wird auf aneinandergereihten Matratzen. Da gibt es in der Alm natürlich keinen Rückzugsort. Eigentlich ist immer irgendwo irgendwer. Mit der Zeit habe ich dann aber auch angefangen, das zu schätzen, denn Langeweile gab es in den drei Monaten nie. Es war immer jemand zum Reden, Spielen, Musizieren oder Sporttreiben da. Ich habe auch gemerkt, wie wenig ich eigentlich zum Leben brauche und in was für einem Überfluss ich zu Hause lebe. Eine weitere Umstellung bedeutete für mich die Handyregelung – immerhin durften wir dieses nur drei Stunden in der Woche benutzen. Da habe ich erst gemerkt, wie abhängig ich eigentlich von meinem Handy bin und wie viel Zeit ich daran verbringe.

In jeder Woche mussten wir einen Dienst in der Alm erledigen: Sei es Kochen (das ist für über dreißig Leute leichter gesagt als getan), Putzen, den Instagramaccount verwalten, Wäsche waschen oder die Tiere versorgen, um nur ein paar zu nennen. Tatsächlich haben wir uns nach ein paar Wochen selbst organisiert und die alltäglichen Aufgaben ohne Hilfe von außen erledigt.

Der Unterricht war in vier Projektphasen gegliedert, in denen wir beliebige Themen zu den Bereichen Verantwortung, Nachhaltigkeit, Globalisierung und Bewegung bearbeiten sollten. In Gruppen mussten wir dann innerhalb einer Woche zu dem Thema recherchieren und ein möglichst wissenschaftliches Produkt – also eine Ausstellung, ein Portfolio oder eine Präsentation – erstellen. Dazu bekamen wir von unseren Pädagogen Workshops zur Erstellung der Produkte. Sowohl wissenschaftliche Quellen zu bearbeiten und zu zitieren als auch das eigentliche Anfertigen der Arbeit stellten für mich zuerst eine Herausforderung dar, aber von Projektphase zu Projektphase wurde es besser. Statt Noten bekamen wir am Ende immer ausführliches Feedback. Für mich war es sehr bereichernd, das projektorientierte Lernen mit dem Schulsystem zu Hause vergleichen zu können.

Für eine Woche war dann auch ein Praktikum in einem regionalen Betrieb angesetzt. Ich verbrachte diese Zeit in einer Bio-Entenmast. Die Abläufe in einem solchen Unternehmen zu sehen, war wahnsinnig bereichernd für mich. Es hat mir nähergebracht, wie schwer die Arbeit auf einem Hof sein kann, und mir gezeigt, dass auch Bio-Siegel kritisch zu hinterfragen sind.

Wir hatten aber auch einiges an Freizeit, die ich meistens auf Bergen verbrachte. Am Wochenende gab es kaum einen Tag, an dem wir nicht wandern oder klettern waren. Wir machten auch einige Exkursionen, zum Beispiel zum Biwakieren in einen Nationalpark. Dort lernten wir das Sensenmähen. Wir hatten auch immer wieder inspirierende Gäste zu Besuch: Eine Jodlerin brachte uns zwei Jodler bei, der Extremkletterer Stefan Glowacz hielt einen Vortrag über seine Expeditionen und ein Professor der Uni Graz brachte uns nicht nur Kalkgestein als CO₂-Speicher näher, sondern begleitete uns auch mit seinem Wissen auf dem Dachsteingletscher. Besonders gut gefielen mir zwei Aspekte der Zeit: Einmal habe ich die Natur sehr genossen und gemerkt, wie entschleunigend diese auf mich gewirkt hat. Und das Zweite war die Gemeinschaft dort oben. Denn sehr schnell wurden aus den fremden Gesichtern Freunde.

Als wir uns dann nach drei Monaten verabschiedeten, fiel es mir durchaus schwer, die Alm und die Menschen zu verlassen. Bei unserem Abschied, der mehrere Stunden dauerte, floss auch die eine oder andere Träne.

Voller Erfahrungen und mit vielen neuen Menschen in meinem Herzen blicke ich jetzt dankbar auf diese wunderschöne Zeit zurück

Fotos und Bericht: Lena Heiland, Q12

 

 

 

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