Drei abwechslungsreiche Tage voller Naturerlebnisse, Geschichte und gemeinsamer Entdeckungen erlebten unsere 6. Klassen im Rahmen der diesjährigen Natur- und Kulturtage. Ziel der Veranstaltung war es, die unmittelbare Heimat mit ihren einzigartigen Natur- und Kulturräumen kennenzulernen und dabei theoretisches Wissen durch eigene Erfahrungen zu vertiefen.
Der erste Tag führte die Schülerinnen und Schüler nach einer erfrischenden Wanderung nach Graswang. Dort vermittelten zwei Referenten des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz (LBV) spannende Einblicke in die Welt seltener Heuschreckenarten. Im Mittelpunkt stand die Gefleckte Schnarrschrecke, die heute nur noch an wenigen Standorten vorkommt – unter anderem an der Linder sowie vereinzelt an Loisach und Isar. Mit großer Begeisterung machten sich die Schülerinnen und Schüler selbst auf die Suche nach den Tieren und erfuhren dabei, welche Lebensbedingungen für ihren Erhalt notwendig sind. Besonders deutlich wurde, wie wichtig warme und trockene Lebensräume für diese seltene Art sind. Am Nachmittag stand der kulturelle Teil des Programms auf dem Plan. Nach einer Busfahrt nach Linderhof erkundeten die Klassen den Schlosspark mit der Hundinghütte und erhielten bei einer Führung durch Schloss Linderhof interessante Einblicke in die Welt König Ludwigs II.
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der regionalen Geschichte. Ausgangspunkt war Oberau, von wo aus die Schülerinnen und Schüler den historischen Handelswegen des Werdenfelser Landes nachspürten. Die alte Ettaler Bergstraße, die aufgrund von Asphaltierungsarbeiten diesmal nicht begangen werden konnte, war im Mittelalter Teil der bedeutenden Handelsverbindung zwischen Venedig und Augsburg und stellte den Anschluss des Ammertals an die Via Claudia Augusta her. Welche wirtschaftliche Bedeutung dieser Handelsweg für die Region hatte, wurde besonders an der Burgruine Werdenfels deutlich. Dort erhielten die Schülerinnen und Schüler Einblicke in die Geschichte der ehemaligen Grafschaft Werdenfels, die dem heutigen Werdenfelser Land ihren Namen gab und ihren Wohlstand über Jahrhunderte dem florierenden Handel mit dem Süden verdankte.
Am dritten Tag rückte schließlich die heimische Natur in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit zwei Rangern des Naturparks Ammergauer Alpen erkundeten die Klassen den Bereich rund um die Ettaler Mühle. Bei einer Gewässerexkursion bestimmten die Schülerinnen und Schüler Pflanzen, untersuchten die Wasserqualität und lernten die Tierwelt eines naturnahen Baches kennen. Für viele überraschend war die Erkenntnis, dass das Wasser selbst im Hochsommer kaum mehr als neun Grad Celsius erreicht. Neben der Messung der Fließgeschwindigkeit bestimmten die Schülerinnen und Schüler auch den pH-Wert des Wassers und erfuhren, dass das Vorkommen bestimmter Insektenlarven als wichtiger Indikator für eine gute Wasserqualität gilt. Im zweiten Teil des Vormittags beschäftigten sie sich mit der Bedeutung der Schutzgebiete im Naturpark Ammergauer Alpen. Eine Gruppenarbeit zur Bestimmung verschiedener Pflanzenarten im Weidmoos rundete das Programm ab.
Die Natur- und Kulturtage boten den Schülerinnen und Schülern zahlreiche Möglichkeiten, ihre Heimat aus neuen Perspektiven kennenzulernen. Naturwissenschaftliche Fragestellungen, historische Zusammenhänge und praktische Erfahrungen ergänzten sich dabei auf eindrucksvolle Weise. Gleichzeitig stärkten die gemeinsamen Wanderungen, Exkursionen und Gruppenarbeiten das Miteinander der Klassen und machten die drei Tage zu einem gelungenen Abschluss des Schuljahres.
Ein herzlicher Dank gilt den Referenten des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz sowie den Rangern des Naturparks Ammergauer Alpen, die mit ihrem großen Fachwissen und ihrem Engagement wesentlich zum Gelingen der Natur- und Kulturtage beigetragen haben.
Bericht und Fotos: Johannes Auberger











