Nachdem sich die Schülerinnen und Schüler der 12. und 13. Jahrgangsstufe im Wirtschafts- und Rechtunterricht intensiv mit den theoretischen Grundlagen des Strafrechts auseinandergesetzt hatten, bot sich heute die Gelegenheit, die Praxis unmittelbar vor Ort zu erleben. Bei einem Besuch am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen konnte die Gruppe das komplexe Prozedere von der Anklageerhebung bis zur Urteilsverkündung hautnah verfolgen. Auf der Tagesordnung standen dabei höchst unterschiedliche Fälle, die von einer Beamtenbeleidigung im Kontext von Grenzkontrollen über einen Betrugsvorwurf bis hin zur gefährlichen Körperverletzung reichten.
Besonders eindrucksvoll war für die Jugendlichen zu beobachten, wie die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung gegensätzliche Sichtweisen darstellten und der Richter sein Urteil schließlich unter sorgfältiger Abwägung der Fakten sowie der persönlichen Lebensumstände der Angeklagten fällte. Auch die verschiedenen Zeugenaussagen machten deutlich, wie vielschichtig die Suche nach der Wahrheit im Gerichtssaal sein kann. Diese Erfahrung knüpft direkt an unser Ziel an, die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zu verantwortungsvollen Persönlichkeiten zu begleiten, die lernen, Situationen differenziert zu bewerten.
Ein herzlicher Dank gilt dem Richter und der Staatsanwältin, die sich im Anschluss an die Verhandlungen viel Zeit nahmen, um die zahlreichen Fragen unserer Schulfamilie ausführlich zu beantworten. Dieser direkte Austausch bot nicht nur fachliche Tiefe, sondern ermöglichte es dem einen oder anderen vielleicht sogar, ein bisher verborgenes Berufsfeld für die eigene Zukunft zu entdecken. Es ist genau diese Verbindung von Lernen, Denken und dem Blick in die Welt, die unsere Ettaler Bildungstradition seit jeher auszeichnet.
Fotos & Text: Johannes Auberger / Stefan Hofmann (ed.)

