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Ettaler Schüler im bayerischen Landtag

„Was ist eigentlich, wenn einer während einer Landtagssitzung einschläft?“ Das war zwar nicht die wichtigste Frage, die die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangs­stufe 10 des Benediktinergymnasium Ettal dem Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, Florian Streibl, stellten, es war aber die, den Oberammergauer Abgeord­neten am meisten erheiterte. „Natürlich ist so etwas peinlich!“, stellte er fest, aber bei sehr langen Sitzungen käme so etwas vor und die Fotografen würden sich über solche Bilder freuen. Da habe er dann in seiner Rolle als Fraktionsvorsitzender schon aufzupassen, dass das keinem aus seiner Fraktion passiere. Ernster waren schon die Fragen zur Intensität der Diskussionen der Landtagssitzungen. Es gehe manchmal schon heiß her und bedauerlicherweise habe sich der Ton in dieser Legislaturperiode verschärft. Florian Streibl erklärte den Schülern sehr lebendig und mit sichtbarer Freude im Landtagssaal, wie Landespolitik funktioniert und welche Rolle die Regierungskoalition und die Oppositionsparteien dabei spielen. Dem Juristen Streibl war dabei anzumerken, dass ihm seine Rolle als Fraktions­vorsitzender und wichtiger Mittler zwischen den Regierungsparteien sehr gut gefällt. Selbstverständlich wurde auch die Frage zum vermeintlich zu schweren Mathe-Abitur gestellt. Streibl legte dar, wie sein Fraktionskollege der Kultusminis­ter Michael Piazolo durch eine ruhige Sachlichkeit diese Diskussionen zu einer zufriedenstellenden Lösung geführt habe.

Bei einem Rundgang durch den Landtag zeigte er den Schülern im ehemaligen Senatssaal das Gemälde „Seeschlacht bei Salamis“ und wies darauf hin, dass bei einem anderen Ausgang dieser Schlacht, die ganze europäische Geschichte anders hätte verlaufen können. Am Beispiel des französischen Diplomaten Talleyrand, der genau wie er Theologie studiert habe, stellte er historisch kenntnisreich dar, dass in der Politik hohe diplomatische Fähigkeiten gefordert sind und die Kunst des Kompromisses höher einzuschätzen sei als mancher kurzfristige Sieg. Talleyrand hatte es geschafft, fast allen französischen Regierungen von 1789 bis über den Wiener Kongress 1815 hinaus zu dienen.

In seinem Abgeordnetenbüro hängt über Streibls Schreibtisch ein großes Porträt seines Vaters Max Streibl, der bayerischer Ministerpräsident und der erste deutsche Umweltminister eines Bundeslandes überhaupt gewesen war. Die Schülerinnen und Schüler waren überrascht von der schlichten und einfachen Einrichtung des Büros. Im Sitzungssaal der Freien Wähler wurden noch Medienthemen wie das Video des YouTubers Rezo angesprochen und die Bedeutung der anstehenden Europawahl. Ingrid Schmid und Uwe Reineke, die begleitenden Lehrer, bedankten sich für die Einladung und die Stunden im Landtag und waren ebenso wie die Schüler über­rascht und erfreut, dass Florian Streibl sich so viel Zeit für sie nehmen konnte.

Vor dem Landtagsbesuch hatte man das Münchner Rathaus besichtigt. Frau Pflügler, die Sekretärin des Oberbürgermeisters Reiter zeigte der Ettaler Gruppe den Bürgermeisterbalkon über dem Marienplatz und den Sitzungssaal des Münch­ner Stadtrates. Im Gebäude wies sie auf Einzelheiten des beeindruckenden Gebäudes hin. Zum Abschluss hatte sie noch eine Fahrt mit dem Aufzug auf den Rathausturm organisiert. Eine Schülerin hatte den Termin mit Frau Pflügler organisiert.

Den Ettalern wurde so ein Vergleich zwischen kommunaler und landespolitischer Verwaltung aufgezeigt. Politische Talente waren bereits sowohl unter Schülerinnen als auch unter Schülern zu erkennen.

Uwe Reineke

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